
Mit grossen Gesten wird Solidarität propagiert, während weltweit Grenzen geschlossen, Geflüchtete in Lagern eingesperrt und dort ihrem Schicksal überlassen werden. Vergessen sind diese Menschen ausserhalb der Festung Europa, vergessen ist die Klimakatastrophe, vergessen sind die elementaren Probleme des Neoliberalismus und der Globalisierung. Staythefuckhome – sofern du ein Zuhause hast. Corona ist die Seuche, die die Reichen der Welt in Angst und Schrecken versetzt, in erster Linie aber wie so oft prekarisierte Menschen trifft. Es ist höchste Zeit die Weichen neu zu stellen. Es braucht Strukturen, die eine grenzenlose Solidarität ermöglichen, in denen starke Gemeinschaften wachsen können. In Zeiten wie diesen werden Gundulas mehr denn je gebraucht. Orte wie diese, an denen autonomes Leben stattfinden kann, wo Zeit und Menschlichkeit zählen.
In der Nacht auf Donnerstag wurde das Haus an der Obergrundstrasse 101 geöffnet, gelüftet und besetzt. Während die Villa mit der Hausnummer 99 nicht mehr betretbar ist, scheint die Villa 101 noch nicht ganz verloren. Für die Besetzer*innen ist klar, dass gerade in Zeiten des Shutdowns neue Perspektiven auf grösst mögliche Unabhängigkeit eröffnet werden müssen:
Sich als Gruppe zu organisieren, heisst Autonomie.
Keine Miete zu bezahlen, bedeutet Unabhängigkeit.
Je weniger Lohnarbeit nötig ist, desto mehr Zeit und Energie bleibt für vieles, was vor, nach und während Krisenzeiten als sogenannt „systemrelevant“ betitelt wird.
Deshalb steht die Tür nun offen. Für die grenzenlose Solidarität und die Überzeugung, Herrschaftsfreiheit zu erreichen!
Jorgen Bodum informiert
Jorgen Bodum, der laut Grundbuch als Besitzer der Gebäude an der Obergrundstrasse gilt und somit auch eine gewisse Verantwortung betreffend deren Verbleib tragen müsste, wurde über die veränderte Lage informiert. Ihm wurde mitgeteilt, dass sein Besitzanspruch, der im absoluten Gegensatz zu seiner fehlenden Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme steht, in so vielen Augen ungültig ist. Zivilklagen und das Geschrei nach dem Gesetz (an einem Ort an dem Ungerechtigkeit so sichtbar wird) sind absolut lächerlich.
Stadrätin Jost wurde ebenfalls informiert
Wie meistens wenn Orte besetzt werden, ist Frau Jost wahrscheinlich in den Ferien. Trotzdem hat auch sie Post erhalten. Sie sah sich in den letzten beiden Besetzungen an der Obergrundstrasse durch ihr Amt als Baudirektorin berufen, sich zu den Geschehnissen zu äussern. Die etwas unglückliche Rolle als vermeintliche Vermittlerin, scheiterte stets an ihrem Glauben an Besitz und ihrer Auffassung, erst ein Rechtsbruch schaffe Unrecht. Solche Massstäbe gefährden das Gemeinwohl. Menschen brauchen nicht regiert zu werden.
Die Polizei wurde nicht informiert
Dem momentanen Ausnahmezustandsgrossaufgebot ist die Besetzung bestimmt nicht entgangen. Während die Ordnungshüter*innen der ganzen Stadt auf die Pelle rücken, wird ihnen folgendes mitgeteilt: Lasst euch nicht instrumentalisieren, haltet Abstand und stay the fuck in your cars!
Bei Fragen und Aufregungen: gundulala(at)immerda.ch